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Pausbäckiges Genie: Mozart-Büste in der Residenz München lebensnaher als bisher angenommen

 

 

Die Marmorbüste von Wolfgang Amadeus Mozart in der Residenz gibt das tatsächliche Erscheinungsbild des Komponisten viel besser wieder als bisher angenommen. Wie Dr. Richard Bauer, früherer Leiter des Stadtarchivs München, herausgefunden hat, gelang dem Bildhauer Heinrich Keller ein äußerst lebensnahes Porträt. Trotzdem – oder vielmehr gerade deswegen – wollte Mozarts Witwe 1835 ihren Mann in der wenig schmeichelhaften Büste nicht wiedererkennen und König Ludwig I. untersagte ihre geplante Aufstellung in der Walhalla.


Bild: Mozart-BüsteDer Züricher Bildhauer Heinrich Keller (1771-1832) schuf das Bildnis des Komponisten posthum im Auftrag König Ludwigs I. Es entspricht keineswegs dem gängigen Bild, das wir von Mozart haben. In seinem neuen Buch erbringt Bauer den Nachweis, dass dem Bildhauer ein äußerst lebensnahes Porträt gelang, denn Keller nutzte die wenigen ihm zugänglichen authentischen Bildnisse Mozarts als Vorlagen: "Wir müssen wohl Abstand von unserem bisherigen Mozart-Bild nehmen", so Bauer.

 

Von Mozart gibt es nur wenige authentische Bilder aus seinen späteren Jahren. Schon bald suchten deshalb posthume, häufig stark romantisierende, frei erfundene Neuschöpfungen diese schmerzliche Lücke auszugleichen. Besonders Konstanze Mozart war darauf bedacht, ein idealisiertes Bild ihres verstorbenen Gatten zu kolportieren.

Die 20 Jahre nach Mozarts Tod entstandene Büste Kellers kommt dem Aussehen des Komponisten laut Bauer weitaus näher als zunächst gedacht, ja sie kann sogar dem Vergleich mit allen derzeit bekannten authentischen Mozart-Abbildungen standhalten. Dennoch ist sie kein biometrisch "wahres" Abbild des Komponisten. Sie resümiert jedoch in technisch sauberer Weise die noch zu Lebzeiten des Komponisten entstandenen Porträtreliefs von Leonhard Posch und deutet sie mit erstaunlicher Geschicklichkeit in eine vollplastische Wiedergabe Mozarts um.

Bild: Mozart-Büste

Mozart erscheint in dieser Darstellung pummelig und wenig "genialisch". Dieser Realismus wurde in der Romantik als unpassend empfunden. Die Mozartbüste war deshalb lange im Depot verschwunden.

Seit 2006 steht sie in der Kleinen Ritterstube in der Münchner Residenz. Genau hier, im ersten Vorzimmer der Kurfürstlichen Wohnräume, fing der Komponist 1777 den bayerischen Kurfürsten ab, um ihn um eine Anstellung als Hofkapellmeister zu bitten.

 

Mozart hat München insgesamt achtmal besucht und hier außer zahlreichen Konzerten, an denen er zumeist mitwirkte, zwei Opern aufführen können: 1775 "La Finta Giardiniera" im Salvatortheater, dem alten Opernhaus am Salvatorplatz, und für die Karnevalsaison von 1780/81 im Auftrag des kurfürstlichen Hofes "Idomeneo" für das neue Kurfürstliche Hofopernhaus an der Stelle des damaligen "Alten Residenztheaters". Dessen über den Zweiten Weltkrieg gerettete Innenausstattung von François Cuvilliés wurde 1956 an anderer Stelle in der Residenz eingebaut. Das wiederaufgebaute Theater ist heute unter dem Namen Cuvilliès-Theater bekannt.



Richard Bauer: Das rekonstruierte Antlitz. Die 1811 geschaffene Mozart-Büste des Züricher Bildhauers Heinrich Keller in der Münchner Residenz. Verlag Ph. C. Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87707-729-0. Preis: 18,90 Euro

 

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