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Residenzmuseum

Reiche Zimmer

 

Gemälde "Kurfürst Karl Albrecht als Kaiser Karl VII."

"Kurfürst Karl Albrecht als Kaiser
Karl VII."; Werkstatt Georges
Desmarées, München, nach 1742

Kurfürst Karl Albrecht ließ die Reichen Zimmer, eine der prächtigsten Raumfluchten der Residenz, 1730 bis 1733 von dem Architekten François Cuvilliés anlegen und ausstatten. Als Parade- und Staatsappartement sollten die Reichen Zimmer seinen Anspruch auf die Kaiserwürde dokumentieren.

Cuvilliés entwarf nicht nur die Disposition der Räume, sondern auch die Dekoration, also Wandvertäfelungen, Stuckaturen und einen Teil der Möbel. So entstanden in enger Zusammenarbeit mit den hoch qualifizierten Hofkünstlern einzigartige Raumkunstwerke, deren Ausstattung noch mit Pariser Luxusmöbeln und kostbaren Textilien ergänzt wurde.


Beim Wiederaufbau der Räume nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurden die Stuckaturen, die Wandbespannungen und die Vertäfelungen zu einem großen Teil nach originalem Vorbild erneuert, so dass die Räume heute weit gehend wieder entsprechend ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild erlebbar sind.



Im Audienzzimmer wurde auswärtigen Gesandten in Anwesenheit des gesamten Hofstaates öffentlich Audienz gewährt. Der Kurfürst empfing den Gast unter einem rotem Samtbaldachin auf der mit einem Teppich bedeckten Estrade, vor seinem Audienzsessel stehend.



Bild: Grüne GalerieDie Grüne Galerie war Schauplatz glanzvoller Festlichkeiten: Zweimal in der Woche lud der Kurfürst hierher einen ausgewählten Kreis des Hofes ein. An diesen Abenden erstrahlten die Räume im Glanz hunderter Kerzen, deren Licht sich in den großen Spiegelflächen brach und vom Gold der Wände reflektiert wurde.

Die Grüne Galerie, die ihren Namen nach der Wandbespannung aus grünem Seidendamast erhielt, war aber nicht nur Festsaal, sondern auch Bilder- und Spiegelgalerie. Die Gemälde, die - in prächtigen vergoldeten Rahmen - in drei Reihen übereinander angeordnet sind und mit den hohen Wandspiegeln wechseln, hatte Kurfürst Karl Albrecht den reichen Kunstsammlungen seines Hauses entnommen. Viele dieser Bilder - darunter Meisterwerke der europäischen Malerei - gelangten später in andere Sammlungen, etwa die Alte Pinakothek. Heute sind deshalb in der Galerie nicht mehr die Spitzenwerke von einst zu sehen, sondern eine weniger spektakuläre, aber durchaus bedeutende Auswahl von Gemälden des späten 16. bis 18. Jahrhunderts.



Bild: KonferenzzimmerIm Konferenzzimmer führte Kurfürst Karl Albrecht politische oder persönliche Gespräche. In diesem "Geheimen Kabinett" gewährte er ausschließlich Besuchern von höchstem Rang oder engsten Familienmitgliedern Privataudienz.

Die Pracht der Ausstattung, der Reichtum der Stuckaturen und Schnitzereien ist hier - dem hohen zeremoniellen Rang des Raumes entsprechend - gegenüber den übrigen Empfangszimmern nochmals gesteigert.




Das Paradeschlafzimmer der Reichen Zimmer mit seiner prächtigen Ausstattung diente - wie ein historischer Bericht überliefert - "nur zur Pracht, nicht zu den Bequemlichkeiten der Ruhe". Es war ausschließlich als "Schauraum" gedacht.

Bild: Paradeschlafzimmer Kurfürst Karl Albrecht von Bayern folgte damit zwar der französischen Mode, nicht aber dem französischen Hofzeremoniell. Nur am französischen Königshof waren das "Lever" und "Coucher", das heißt die Ankleideprozedur am Morgen und das abendliche Zubettgehen des Herrschers, öffentliche Staatsakte, die in Anwesenheit des Hofes vollzogen wurden.

Zum Zeichen seines hohen Ranges wurde das Paradeschlafzimmer mit besonders kostbaren und teuren Lackmöbeln eingerichtet, die Kurfürst Karl Albrecht bei den französischen Kunstschreinern Bernard Vanrisamburgh und Antoine-Robert Gaudreaus in Paris bestellte.



Nach französischem Vorbild hat François Cuvilliés neben dem Paradeschlafzimmer zwei Kabinette angeordnet. Das erste war als Ruhezimmer und Schreibkabinett konzipiert, zugleich aber als Spiegel- und Porzellankabinett ausgestaltet. Während die vorangegangenen Räume mit einzelnen großen Wandspiegeln ausgestattet sind, die seinerzeit zu den teuersten Luxusgütern zählten, sind in diesem Kabinett nahezu alle Wandflächen mit Spiegeln besetzt. Der überreich mit vergoldeten Schnitzereien und Stuckaturen dekorierte Raum spiegelt sich so in immer neuen Facetten wieder.



Bild: MiniaturenkabinettMit dem Miniaturenkabinett endet die Raumfolge der Reichen Zimmer. Dem großen Wandspiegel an der Rückwand entspricht ein zweiter am gegenüberliegenden Ende der Raumflucht in der Grünen Galerie, so dass sich die Prunkräume ins Unendliche fortzusetzen scheinen.
Das winzige Miniaturenkabinett ist besonders kunstvoll ausgestattet. Die Wandgestaltung kulminiert in einem höchst aufwändig hergestellten roten Lack als Hintergrund für die aufs Äußerste verfeinerten, ganz vergoldeten Schnitzereien.

In diese überaus kostbare Wandvertäfelung sind 129 Miniaturen niederländischer, französischer und deutscher Meister des 16. bis 18. Jahrhunderts eingelassen.

Im Zweiten Weltkrieg ging das Kabinett bis auf die beiden ausgelagerten Türflügel und die Miniaturgemälde zugrunde. Die Stuckaturen, die Schnitzereien und der rote Lack der Wandpaneele konnten aber in langjähriger Arbeit rekonstruiert werden.

 

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