Im Jahr 1869 ließ König Ludwig II. im Norden der Residenz auf dem Dach des Festsaalbaus einen Wintergarten anlegen. Hofbaumeister Eduard Riedel errichtete den gewölbten, fast 70 Meter langen, freitragenden Eisenskelettbau. Unter seinem 10 Meter hohen Glasgewölbe gestaltete der Hofgärtendirektor Carl von Effner bis 1871 einen exotischen Landschaftsgarten mit üppiger Vegetation und einem großen Teich mit Wasserfall.

Der Wintergarten König Ludwigs II., Photographie von Hofphotograph Joseph Albert,
um 1875
Austauschbare, gemalte Landschaftspanoramen dehnten die Anlage optisch weiter aus und zeigten abwechselnd einen "Indischen Palast" oder das "Himalayagebirge". Zusätzlich schuf Theatermaler Christian Jank verschiedene orientalische Staffagen, unter anderem einen "Maurischen Kiosk" und ein "Indisches Königszelt".

Panorama eines "Indischen Palastes" vom Ostende des Wintergartens,
Julius Lange, 1872
Dieser märchenhafte Ort, der seinem königlichen Besucher die Vision eines Lebens in Welten aus 1001 Nacht ermöglichen sollte, wurde schon 1897, also nur wenige Jahre nach dem Tod Ludwigs II., wieder abgetragen. Eine Ausstellung im St.-Georgs-Rittersaal erinnert nun mit zentralen Bilddokumenten an diesen untergegangenen Königstraum.
Besonders anschaulich wird so für die Besucher eine faszinierende Schöpfung zu neuem Leben erweckt, die im Zusammenspiel von romantischem Naturempfinden und modernster Technologie perfekt die Kunstbestrebungen des 19. Jahrhunderts repräsentierte.