
Porzellansammlung
19. Jahrhundert
Europäische Miniaturen:
Sammlung Nottbohm
Die Wittelsbacher Porzellansammlung des 19. Jahrhunderts beinhaltet Produkte aus der eigenen Manufaktur in Nymphenburg, aber auch Service aus so berühmten Manufakturen wie Sèvres in Frankreich oder der Königlich Preußischen Manufaktur – kurz: KPM – in Berlin.

Teile des Onyx-Services, Entwurf von Friedrich von
Gärtner,
um 1835, Manufaktur Nymphenburg
Ein Höhepunkt der Sammlung ist das berühmte "Onyx-Service", das König Ludwig I. 1835 in der Manufaktur Nymphenburg bestellte. 1848 waren die 717 Teile des Services fertig gestellt.
Der purpurfarbene Grund der Porzellane imitiert den Edelstein Onyx und gab dem Service seinen Namen.
In der Porzellansammlung finden sich außerdem Teller mit Szenen aus der Nibelungensage, Darstellungen weiblicher Schönheiten in Nationaltracht oder bayerischen Ansichten.

Porzellanplattengemälde "Madonna
im Rosenhag", Kopie nach F. Francia,
Manufaktur Nymphenburg
Eine Besonderheit sind die Porzellanbilder aus der Manufaktur Nymphenburg, die König Ludwig I. 1827 in Auftrag gab. Es handelt sich um Kopien nach Gemälden in der Alten Pinakothek.
Porzellan wurde als dauerhaftes Material geschätzt. Deshalb hatte der König die Idee: "Die Kopien der vorzüglichsten Bilder in Schmelzfarben für die Nachwelt erhalten, wenn endlich der Zahn der Zeit die Originale zerstört haben wird." In diesem Punkt irrte der König zum Glück. Auch heute noch können die meisten Originale in der Alten Pinakothek bewundert werden. Die Porzellanbilder jedoch haben ihre eigene Qualität und ihren besonderen Reiz. Zum Beispiel ändern sich die Porzellanfarben während des Brands. So konnten die Porzellanmaler das Ergebnis ihrer Mühe erst im fertig gebrannten Zustand sehen.
Wegen der Sanierung des Königsbaus kann die Porzellansammlung 19. Jahrhundert derzeit nicht besichtigt werden.
Die von den Herrschern des Hauses Wittelsbach zusammengetragene Ostasiensammlung beinhaltet über 500 Stücke ostasiatischen Porzellans und einige Lackarbeiten. Die meisten Exponate wurden um 1700 von Kurfürst Max Emanuel erworben.

Chinesisches Löwenpaar mit kleinen Vasen auf
dem
Rücken, zu Kerzenhaltern umgearbeitet.
China, Qing-Dynastie, Ära Kangxi, um 1700.
Montierung Paris, Anfang 18. Jahrhundert
Eine Besonderheit sind die Stücke mit französischen, feuervergoldeten Bronzemontierungen, die in Paris bestellt wurden. Die fein ziselierten Montierungen sollten die Kostbarkeit des Porzellans noch steigern.
Die frühesten Porzellane der Sammlung sind die blauweißen chinesischen Schalen und Teller der Ming-Dynastie, die um 1600 hergestellt wurden.
Die Sammlung beinhaltet daneben japanisches Porzellan sowie chinesisches Imari-Porzellan. Japanisches Imari-Porzellan war um 1700 in Europa so beliebt, dass die chinesischen Werkstätten seinen typischen Farbklang – Blau, Rot und Gold auf weißem Grund – kopierten und ihrerseits Imari-Porzellan in großen Mengen nach Europa lieferten. Erst ab 1708, nachdem man in Meißen das erste europäische Porzellan herstellen konnte, ließ das Interesse an Porzellan aus China und Japan nach.

Miniaturgemälde "Trost in der Einsamkeit",
Niclas Lafrensen, um 1780
Nur wenige Museen weltweit bieten die Möglichkeit eines umfassenden Überblicks über die Vielfalt der Miniaturmalerei. Daher kommt der Sammlung Nottbohm in der Residenz München besondere Bedeutung zu.
Das passionierte Sammlerehepaar Klaus und Helga Nottbohm hat eine reiche Kollektion zusammengetragen, die auf höchstem Niveau Beispiele vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Photographie die Kunst der Miniatur verdrängte, vereint.
Die Sammlung Nottbohm umfasst in erster Linie Porträtdarstellungen, aber auch Themen wie Stillleben oder Landschaften. Das Spektrum der in der Sammlung repräsentierten Techniken reicht von Wasserfarben auf Pergament oder Elfenbein über Ölmalerei auf Silber und Kupfer bis hin zur Email-Malerei.
In den Silberkammern der Residenzen wurde das Gebrauchssilber aufbewahrt, das als Tafelsilber einer fürstlichen Hofhaltung freilich immer hohen Kunstwert besaß.

Tafelsilber aus Beständen des säkularisierten
Fürstentums Bamberg (Bamberger Tafelsilber),
Augsburg, um 1770
Da die Bestände der Silberkammer zugleich Teil des Staatsschatzes waren, wurden sie in Zeiten finanzieller Krisen immer wieder eingeschmolzen und zu Münzen geprägt. Oft wurden auch ältere Service eingeschmolzen und zu "modernen" Garnituren umgearbeitet.
Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten die in München eingefallenen Schweden einen Teil der Silberkammer. Als man den Rest 1648 in Sicherheit bringen wollte, sank das Schiff auf dem Inn bei Mühldorf. Nur wenige Stücke konnten gerettet werden.
Wieder aufgefüllt wurden die Bestände mit dem Silber aus dem Besitz der Pfälzer Wittelsbacher, die seit 1777 als Kurfürsten von Pfalz-Bayern regierten und in München Hof hielten. Einen weiteren Zuwachs stellen die Tafelservice aus den 1803 säkularisierten Fürstbistümern Bamberg und Würzburg dar.
Einen Höhepunkt der Sammlung bildet das 502 Teile umfassende, silbervergoldete Tafelservice König Max I. Josephs. Dieses herausragende Service des Klassizismus haben die seinerzeit bedeutendsten Pariser Goldschmiede, Martin-Guillaume Biennais und Jean-Baptiste-Claude Odiot, ursprünglich 1807-1809 für König Jérôme von Westfalen, den Bruder Kaiser Napoleons, gefertigt.
Mit rund 3500 Stücken gehört die Silberkammer der Münchner Residenz heute zu den bedeutendsten in Europa. Da kaum ältere Bestände erhalten blieben, liegt der Schwerpunkt der Sammlung im 18. und 19. Jahrhundert.

Kasel mit den Leidenswerkzeugen
Christi,
Petit-Point-Stickerei,
wohl München, um 1610/20
Als Paramente bezeichnet man die liturgische Gewandung der Geistlichen und die textile Ausstattung der Kirchenräume.
Aus den katholischen Hofkirchen und -kapellen der Münchner Residenz sind Paramente vom späten 16. bis zum 19. Jahrhundert erhalten. Kurfürst Maximilian I. erwarb zu Beginn des 17. Jahrhunderts zahlreiche Textilien in Italien, darunter wertvolle Goldstickereien, die in den Münchner Hofwerkstätten zu Garnituren für die Hofkapelle und die Reiche Kapelle verarbeitet wurden.

Bronzefigur des Meeresgottes Neptun
von Georg Petel
Herzog Wilhelm V. und Maximilian I. gaben für die Münchner Residenz eine Reihe von figürlichen Großbronzen in Auftrag, die international als Hauptwerke des Manierismus und des Frühbarock gelten.
In den Sommerzimmern Herzog Maximilians I. von Bayern sind zwei lebensgroße Bronzen aus den ehemaligen Gartenanlagen der Residenz zu sehen: Die originale Brunnenfigur des Perseus (um 1585/90) von Hubert Gerhard aus dem Grottenhof, und im zweiten Raum die Bronzefigur des Meeresgottes Neptun von Georg Petel (1601/02-1634).
Reliquien sind – wörtlich übersetzt – "Überreste". Damit werden in der Regel nicht nur Gebeine eines Heiligen bezeichnet, sondern auch Gegenstände, die zum unmittelbaren Lebensumfeld eines Heiligen gehörten oder in enge Berührung mit ihm kamen.

Reliquienschränkchen, München, 1624
Die Reliquiensammlung der Münchner Residenz entstand im Zeitalter der Gegenreformation. Wilhelm V. erhielt bereits 1577 die erforderliche päpstliche Erlaubnis, Reliquien zu erwerben. Sein Sohn, Maximilian I., erweiterte den Bestand und verwahrte die Reliquiare (= kostbare Behälter zur Aufbewahrung von Reliquien) in der Reichen Kapelle, seinem privaten Andachts- und Gebetsraum.
Bis ins 19. Jahrhundert galten die "Heiltümer" als der kostbarste Schatz der Residenz. Erhalten sind bis heute etwa 60 Reliquiare aus der Zeit um 1590 bis 1640. Darunter befinden sich herausragende Werke von Münchner und Augsburger Goldschmieden.