Die Steinzimmer waren im 17. Jahrhundert die größte und bedeutendste Raumflucht der Residenz. Ihr Name geht auf die reiche Ausstattung mit Marmor, Stuckmarmor und Scagliola, einer besonderen Art der Stuckmarmorintarsie, zurück.

Die Räume liegen im Westflügel des so genannten Kaiserhoftrakts, den Herzog Maximilian I. ab 1611 erbauen ließ.
Die Steinzimmer waren nicht die privaten Wohnräume des Herzogs. Sie dienten vielmehr als kaiserliche Gästeappartements und wurden nur vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und seiner Gemahlin bewohnt, wenn diese in München Station machten. Nur zu diesem Anlass wurden die Räume mit Wandteppichen ausgestattet und eigens möbliert. Die heute in den Räumen gezeigten Prunkmöbel gehörten allerdings nicht zu dieser ursprünglichen Einrichtung. Sie stammen aus den fürstlichen Kunstsammlungen.
Da die Raumflucht im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, musste nach 1945 vieles rekonstruiert werden, um das Raumbild des 17. Jahrhunderts wieder erstehen lassen zu können.

Prunktisch mit Pietra dura-Platte
(Florenz, um 1623-1627/30)
Zu den prachtvollsten Möbeln der Münchner Residenz zählt ein außergewöhnlicher Prunktisch. Die Tischplatte hat Maximilian I. von Bayern vermutlich 1623 anlässlich der Erhebung Bayerns zum Kurfürstentum in Florenz in Auftrag gegeben. Den Hauptschmuck der mit edlen Steinen und Buntmarmor eingelegten Platte bilden vier große und acht kleinere Lapislazulitafeln. Sie umrahmen das bayerische Wappen im Zentrum der Platte und die Monogramme "ME", die für Maximilian und seine Gemahlin Elisabeth von Lothringen stehen.

Tapisserie "Die Huldigung der bayerischen
Stände", Hans van der Biest nach Entwurf von
Peter Candid, München 1611
Den bedeutendsten Schmuck der Steinzimmer bilden heute die Wirkteppiche der Otto-von-Wittelsbach-Folge, die Herzog Maximilian I. zwischen 1604 und 1611 von dem niederländischen Wirker Hans van der Biest nach Entwürfen des Hofmalers Peter Candid für die Residenz anfertigen ließ.
Die aus insgesamt 10 Behängen bestehende Folge schildert die ruhmreichen Taten des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach, des ersten bayerischen Herzogs aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Unter den insgesamt mehr als dreihundert Tapisserien, die Maximilian I. besaß, wurden die Otto-von-Wittelsbach-Teppiche aufgrund der Kostbarkeit des verwendeten Materials, vor allem aber wegen ihrer künstlerischen und thematischen Bedeutung in den Inventaren des Münchner Hofs stets an erster Stelle genannt.